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Smiley Re: doch
>waren die Linsenoberflächen aus früheren Zeiten nicht empfindlicher?<



Nein und ja.

Ganz früher nutzte man noch keine Vergütungen. Die ersten vierlinsigen Aplanate von Steinheil bestanden aus einfach geschliffenen Linsen, erst 20 Jahre später konstruierte Abbe den ersten Zeiss-Apochromaten. Um die Jahrhundertwende folgte das Zeiss Tessar, wobei Rudolph - allerdings ohne Erfolg - auch mit Einfachvergütungen herumexperimentierte. Auch Voigtländer forschte anlässlich der Marktreife des ersten fotografischen, apochromatisch korrigierten Objektivs Apo-Lanthar in Sachen möglicher Vergütung. Doch erwiesen sich die ausprobierten Beschichtungen allesamt als zu empfindlich, weswegen man es sein ließ. Erst nach und nach setzten sich robustere Vergütungen durch, wobei jedoch die Aufdampftechnik immer noch eine Schicht ergab, die ziemlich anfällig gegen äußere Einflüsse war.



Bis etwa anfangs der 70er nutzte man diverse Vorsätze auch nur zweckbestimmt. Sprich zB Polfilter gegen Reflexionen, Rotfilter für dramatische Betonungen oder Graufilter zur Belichtungsverlängerung. UV-Filter wurden zwar auch genutzt, so doch überwiegend bei Hochgebirgsexpeditionen. Andere Vorsätze oder gar "Schutzgläser" waren damals nicht angesagt, weder bei den Kriegsberichterstattern im Vietnamkrieg noch bei sonstigen Professionals.



Wenn ich recht erinnere, blieb es Minolta vorbehalten, um die 70er Jahre rum eine erste gute Mehrschichtvergütung in Serie gehen zu lassen. Gleichzeitig wurde die Vergütungsschicht der Frontlinsen robuster, so dass man mit der Nikon oder der Leica auch bei Expeditionen durch Wüste und Gestrüpp pilgern konnte, ohne dass die Abbildungsqualität litt.



Heutige Objektive mit ihren sehr guten Vergütungen - zumal bei hochwertigen Optiken - bedürfen zB im Hochgebirge keinerlei zusätzlichen UV-Filter. Doch da nunmal eine ganze Zubehörindustrie von mehr oder weniger schrottigen und unnützen Produkten lebt, werden selbige auch immer wieder propagiert.






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