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Hallo Maniac,



ja, man kann "polylingual" sagen. Ich bevorzuge im Alltag den deutschen Ausdruck "mehrsprachig" ;-)



Was du ansprichst, ist ein echtes Problem, besonders bei Immigrantenfamilien.



Leider haben Erzieher und Grundschullehrer theoretisch oft kaum Ahnung von dieser Problematik und die betroffenen Eltern meist noch weniger.



Unter echter Mehrsprachigkeit versteht man ja, dass ein Kind während der sensiblen Phase des Erwerbs der Muttersprache, also während der ersten zwei bis drei Lebensjahre, mit mehr als einer Sprache konfrontiert wird und sich diese auch aneignet, wobei eine davon die sogenannte stärkere Sprache wird.

Es gibt Untersuchungen darüber, dass sich durch den gleichzeitigen Erwerb von mehr als einer Sprache die Sprachbahnen im Gehirn besser vernetzen, was dann das von dir erwähnte "es leichter haben" in Bezug auf das Erlernen weiterer Sprachen bewirkt (was nicht heißt, dass man eine Fremdsprache nicht auch noch später nahezu perfekt und akzentfrei sprechen lernen könnte, nur ist es dann eben keine zweite Muttersprache mehr).



Prinzipiell gibt es dafür zwei Möglichkeiten: 1. eine Sprache zu Hause und eine andere in der Umgebung und 2. Zu Hause eine "Muttersprache" und eine "Vatersprache".



Das Problem bei Variante 1 ist oft, dass die zu Hause gesprochene Sprache für die Kinder zunehmend an Prestige verliert, zumal sie auch nicht in dieser, sondern in der Umgebungssprache schreiben lernen.



Variante 2 praktizieren wir bei uns zu Hause und das funktioniert nur so, dass ich mit den Kindern stets Deutsch spreche, der Vater stets Französisch und mein Mann und ich miteinander und gemeinsam mit den Kindern ebenfalls Französisch, die Kinder untereinander wiederum Deutsch. Solche klaren Regeln sind notwendig, damit es nicht zu Verwirrung kommt und zum von dir angesprochenen Kauderwelsch. Etwas anstrengend aber natürlich auch förderlich ist das oft notwendige Umschalten von einer Sprache in die andere.



Aus meiner Studentenzeit erinnere ich mich an ein Paar, das sich in der damaligen SU kennen gelernt hatte. Sie stammte aus der DDR und beherrschte Englisch und Russisch als Fremdsprachen, er kam aus einem afrikanischen Land, wo Französisch Amtssprache war. Also blieb Russisch als mögliche Verständigungssprache übrig und auch mit ihrem ersten Kind sprachen sie Russisch. Wir haben einander dann aus den Augen verloren, sodass ich nicht weiß, wie sich ihre Beziehung in sprachlicher und anderer Hinsicht weiter entwickelte.

Ich denke jedenfalls, dass solche Konstellationen in Zukunft noch häufiger auftreten werden. Umso wichtiger wäre es meiner Meinung nach, diese Problematik etwas stärker ins öffentliche Bewusstsein zu heben.



Grüße, Serenity


"Wenn jeder dem anderen helfen würde, dann wäre uns allen geholfen." (Marie von Ebner-Eschenbach)

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