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Smiley Skandinavien
Nun ja, um Skandinavien ranken sich ja nun seit jeher Mythen, die gerne im Positiven und Negativen für die Meinungsmache mißbraucht werden. Sei es nun PISA oder Wirtschaftspolitik.

Die Wahrheit liegt leider jenseits der ausgetrampelten Argumentationspfade.



Spätestens ein Blick auf die Steuer- und Abgabenquote reicht eigentlich aus um zu erkennen, dass Unternehmen in Skandinavien stärker zur Kasse gebeten werden als bei uns. Da ändert auch die höhere MWST nichts, denn was die dort mehr bezahlen haben die auch an Lohn übrig.



Das ist schlichtweg falsch. Die Einkommen liegen (ich durfte das in Schweden miterleben) nicht oder nur unwesentlich über dem deutschen Durchschnitt. Wenn man dann die Power-Besteuerung und die alltäglichen Abgaben mit einrechnet, wird einem klar, daß in Schweden ein normales Einkommen für den Unterhalt einer Familie kaum reicht. Aus diesem Grund sind auch so viele Frauen berufstätig. Im Gegenzug gibt es dafür genügend Kindergartenplätze, die aus den hohen Abgaben finanziert werden. Das System trägt sich sozusagen selber (momentan jedenfalls).

Mir liegt absolut fern, diesen Zustand schlecht zu machen, aber die Mär von den utopischen Verhältnissen in Skandinavien wird leider nicht richtiger, auch wenn man sie mantraartig wiederholt. Ein abendlicher Besuch von Oslos Innenstadt-Randbezirken zeigt einem auf, dass auch der milliardenschwere Sozialstaat noch Arme und Reiche zurücklässt.



Ganz nebenbei bemerkt ist den Schweden ihre aktuelle Situation auch nicht in den Schoß gefallen. Vor vielen Jahren standen sie vor einem ähnlichen Problem wie wir heute, nämlich dass sich das vorhandene System so nicht halten konnte. Im Gegensatz zu den Deutschen, die immer und überall von Reformen reden aber dann noch einen Rückzieher machen, wenn es soweit ist und einen selber betreffen könnte, haben sie damals tabula rasa gemacht, den Gürtel enger geschnallt und die Ärmel hochgekrempelt. Das wäre hier, in einer Gesellschaft, in der jeder als "Reicher" abgetan wird, der mehr besitzt als man selber und in der jeder überzeugt ist, dass er von Staat, Wirtschaft und Lobbyisten unterdrückt wird und eigentlich viel mehr verdient hätte, unvorstellbar



Womit Du allerdings Recht hast, ist die Tatsache, dass mit ein wenig persönlichem Verzicht die Situation für alle Bürger verbessert werden kann. Die gerne zitierten Kindergärten sind da nur ein Beispiel. Dafür könnte auch ich mich begeistern (auf den Aufschrei hier im Forum, wenn das Wort "Steuererhöhung" fällt, freue ich mich jetzt schon). Auf der anderen Seite muss man allerdings sehen, dass von den Abgaben auch alle betroffen sind. Schnaps ist für alle gleich teuer, ob Chefarzt oder Bauarbeiter. Eine explizite Reichensteuer gibt es meines Wissens nicht, auch nicht die damit einhergehende Neiddebatte. Dafür sind die Skandinavier einfach zu entspannt und zufrieden mit dem, was sie haben. Vielleicht sollten die Deutschen lieber diese Lektion lernen, anstatt sich an aus dem Kontext gerissenen Steuer-Prozentpunkten aufzugeilen.


Gruß, Michael

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