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Smiley Re: Warum geht Deutschland nicht auf die Straße zum Generalstreik?
Hi,



ich glaube, auch die sozial Schwächeren setzen heutzutage wesentlich weniger Kinder in die Welt als noch vor 30/40 Jahren, habe da aber leider keine Zahlen zur Verfügung.

Wenn ich mich an meine Kindheit/Jugend erinnere, so waren da in meinem Umfeld recht viele Familien, die 6 oder mehr Kinder hatten - ich selbst bin als Zweitältester von 6 Kindern groß geworden (mein Vater war dreimal verheiratet und hochverschuldet - wir zählten zu den sozial Schwachen). Wenn ich mich heutzutage so umschaue, finde ich auch bei den sozial Schwächeren selten mehr als drei Kinder (ich meine deutsche Familien, bei unseren ausländischen Mitbürgern mag das anders aussehen).

Aber vielleicht habe ich tatsächlich ein bißchen übertrieben, als ich die zunehmende Geburtenabnahme (hach, das gefällt mir: eine zunehmende Abnahme) mit einem Protestverhalten in Verbindung gebracht habe.



Was Deine Ansichten zum Konsumverhalten angehen, so kann ich Dir nur zustimmen, wenn Du schreibst, daß "... das Prinzip "Nachfrage-Angebot-Erhöhte Nachfrage->Wachstum) auf Dauer nicht funktionieren kann (aber da wirds ganz schnell philosophisch) und zweitens weil ichauch nicht so recht glaube das die Binnennachfrage die Lösung aller Probleme sein soll...." - irgendwann wird das Ende der Fahnenstange erreicht sein (vielleicht ist es ja schon erreicht).

Was allerdings ein bewußteres Kaufverhalten betrifft, so sehe ich da schon leichte Veränderungen: es gibt Leute, die kaufen ganz bewußt Produkte bestimmter Firmen nicht (soweit dies überhaupt möglich ist), seien es nun Siemensprodukte (wegen deren Anstoß zur Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche) oder VW-Autos (wegen der Quasi-Erpressung der Arbeitnehmer im vergangenen Sommer); man könnte hier wohl noch einiges aufführen - und sich dann fragen, was man überhaupt noch kaufen kann.



Zu Deinem kleinen Ausflug ins Gesundheitswesen sei angemerkt, daß es (das Gesundheitswesen) eigentlich bereits am Ende scheint; es stehen schon jetzt viele Krankenhäuser vor dem Ruin, und es war schon mit Einführung der Fallpauschalen klar, daß etwa jedes vierte Krankenhaus wird dicht machen müssen.

Kliniken, ich bin an einer angestellt, arbeiten nicht mehr patientenorientiert; die Verpflichtung zur Wirtschaftlichkeit steht an erster Stelle, und das hat manchmal groteske Auswirkungen, so zum Beispiel, wenn man eine 102-jährige Patientin einer Herzkatheteruntersuchung unterzieht (von vorne herein ohne therapeutische Konsequenz, einfach, weil es Geld bringt), oder wenn Patienten, deren Herzkranzgefäße man in einer Sitzung dilatieren (mit einem Ballonkatheter aufdehnen/weiten) könnte, nach Dilatation eines Gefäßes nach Hause geschickt werden, mit dem "Vorschlag", sie nach 4 Wochen erneut aufzunehmen, um ein weiteres Gefäß anzugehen - das bringt eben doppelt Geld, welches die Kliniken dringend nötig haben.

Im Jahre 2005 hat die Station, auf der ich arbeite, fast 600 Patienten mehr "durchgeschleust" als 2004 - und das bei gleichem Personalstand (es war ein ziemlich hartes Jahr); daß unter solchen Umständen eine vernüftige Medizin und eine patientengerechte Pflege fast unmöglich ist, sollten jedem klar sein.



Gruß

Ruebe








 Wozu eigentlich eine Rentenreform? Wir haben doch eine Gesundheitsreform!



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