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Smiley "Künstlichkeit versus Kunst" , was Jelinek und Houellebecq verbindet
Hallo Saluk,

daß man ein Buch nicht nach seiner Verfilmung beurteilen kann, dem stimme ich zwar im Prinzip zu. Dennoch meine ich, nach einer Verfilmung eines Buches manchmal sicher sagen zu können, ob ich dieses Buch – für mich – für lesenswert halte oder nicht, nämlich dann, wenn es grundlegende Dissonanzen mit meiner Empfindung für Kunst (im weitesten Sinne) gibt.

Mein Vorwurf war ja auch hier der der Künstlichkeit.

1. Beispiel: „Die Klavierspielerin“ ist einerseits eine Musikprofessorin, tätig an einem Konservatorium, andererseits schwerst mutterabhängig, sie schläft sogar noch – und das zwangsweise – in deren Ehebett. Nun will ich nicht bestreiten, daß eine Musikprofessorin vielleicht noch sehr mutterabhängig sein kann, aber diese Abhängigkeit hätte eine andere Form, eine andere Gestalt, nicht jene im Film gezeigte primitive Form nach dem Motto: Sie schlugen und vertrugen sich.

2. Beispiel: Ein junger Mann, der alles hat, Bildung, Intelligenz, Attraktivität und Vielseitigkeit, die fast ans Geniale grenzt, mag sich in eine ältere, noch attraktive Musikprofessorin verlieben, auch mit ihr in Konflikt geraten, aber brutal zuschlagen und sie vergewaltigen? Paßt das?

3. Eine mutterabhängige Musikprofessorin mag sexuell verklemmt sein, vielleicht auch bizarre Vorlieben haben, aber ihre Befriedigung in Pornofilmkabinen und mit der Rasierklinge suchen?

Da werden bestimmte extreme Lebensmöglichkeiten, die es so in der Tat gibt, nach einem Patchworkprinzip zusammengebracht. Aus der Zusammenwürfelung von Extremen entsteht aber noch keine psycho-logisch glaubwürdige Geschichte.

Das ist es, was ich Künstlichkeit nenne. (Und das ist bei Grass eben anders, besser.)

Und mich würde es wundern, sehr wundern, wenn dieses Patchwork der Extreme im Buch zu einer echten Geschichte zusammengebracht wird.

Und da hat potato in meinen Augen Recht: Diese Zusammenwürfelung von Extremen hat wohl mehr Effekthascherei zum Hintergrund, als den Versuch, extreme Verhaltensweisen wirklich verstehen zu wollen.

Künstlichkeit ist halt keine Kunst,

meint

Gentilloup





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