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Smiley Re: Vergiss es...
50% vom Tariflohn zu bezahlen ist Realität. Ein Gesetz das keine Sanktionen nach sich zieht ist wirkungslos. Offenbar kann nicht nur die PIN AG solche Löhne zahlen - solche Arbeitsentgelte sind Realität in Deutschland. Es wird offensichtlich nicht viel dagegen unternommen. Wenn dir soviel daran liegt das zu ändern, dann frag bei ver.di um Unterstützung und geh dagegen vor. Die Gewerschaften sind ja sonst auch immer 1a-Lobbyisten.

Es geht (mir) nicht darum Leute aus China oder sonstwoher zu "holen". Solche Tätigkeiten wie das Austragen von Briefsendungen sind nunmal ohne besondere Qualifikation auszuführen. Damit kann sie potentiell jeder verrichten und dementsprechend ist auch die Entlohnung relativ gering.



Mag sein, daß ein Mindestlohn in Großbritannien funktioniert, aber in Deutschland ist die Situation eine andere. Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, weil den Mindestlohn der Sozialstaat liefert - der Stundensatz fürs Nichtstun liegt teilweise sogar über den Tariflöhnen bestimmter Berufe. Der Staat und seine Sozialleistungen sind eine direkte Konkurrenz zur privaten Wirtschaft. Warum sollte jemand arbeiten, wenn er dieselbe Summe auch fürs Nichtstun bekommt? Bestimmte Arbeitsplätze funktionieren aber eben nur mit relativ geringen Löhnen. Wenn diese aber per Gesetz auf weit höherem Niveau festgelegt werden, dann entsteht so ein Arbeitsplatz eben erst gar nicht. Die Globalisierung sorgt dafür, daß Unternehmen den Arbeitsplatz erst gar nicht in Deutschland, sondern anderswo schaffen. Dann kann es noch soviele Mindestlohnvorschriften geben - dann aber de-facto-nutzlose für nichtexistente Arbeitsplätze.



Der Staat hat dafür zu sorgen, daß Vermögen zu einem bestimmten Grad umverteilt wird. Das passiert ja auch nicht erst neuerdings. Daß eine Marktwirtschaft immer gerecht ist, behauptet niemand, aber gerade deswegen ist der Staat wichtig. Man kann sich natürlich auch weigern bestimmten Arbeitnehmern einen Lohnzuschuß zu bezahlen und darauf zu pochen dies anderen zu überlassen. Diese aber unterliegen keinem Zwang und weichen eben aus, wenn es sich nicht rechnet. Wenn die Alternative einen solchen Arbeitnehmer in Form eines Arbeitslosen komplett zu finanzieren besser ist, dann nur zu (s.o.).

Natürlich ist das Bürokratie-GAU-Potential in Deutschland bei Kombilohnmodellen wie der "aktivierenden Sozialhilfe" des ifo-Instituts gegeben, aber man muß das Rad nicht gänzlich neu erfinden. Systeme wie der "Earned Income Tax Credit" in den USA zeigen Möglichkeiten zur Gestaltung auf.



Die effektive Unternehmensbesteuerung in Deutschland zählt (immer noch) zu den höchsten der Welt. Allein schon eine Soli-Aufschlag von 5,5% auf die Körperschaftssteuer ist mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar. Andere Länder in Europa fordern deutlich weniger von den dort ansässigen Unternehmen. Im Zweifel verlagern deutsche Unternehmen ihren Sitz eben dorthin. Solche Länder berücksichtigen nämlich auch, daß Unternehmen Arbeitsplätze schaffen.

Mag sein, daß der Economist, die international weithin in höchstem Maße anerkannte Wirtschaftspublikation, im vergangenen Herbst noch eine recht positiv gestimmte Coverstory über Deutschland gebracht hat. Die letzte, vom 11.02.2006 lautet "Waiting for a Wunder - A survey of Germany". Zu Recht wird hier das ewige Gemurkse kritisiert. Man muß nichts absichtlich schlechtreden - eine Bestandsaufnahme die nicht aus deutscher Feder stammt erfüllt diesen Zweck auch. Für den Investitionsstandort Deutschland ist das sicherlich kaum positiv.



Sicherlich gibt es jede Menge Unternehmen in Deutschland in denen eine Wertschöpfung stattfindet - das Gegenteil habe ich auch nie behauptet. Sehr wohl aber wird ein immer geringerer Teil der gesamten Wertschöpfung eines Produktes in Deutschland erbracht. Du kannst dir beizeiten ja mal Hans-Werner Sinns "Basar-Ökonomie"-Theorie darüber durchlesen. Wieviel dich davon überzeugt ist deine Sache.



Mit Sätzen wie "nichts, aber auch gar nichts hast Du verstanden" kannst du deine Diskussionspartner im Wirtshaus am Stammtisch bedenken, aber nicht mich.



Übrigens: ich erhalte mein VWL-Diplom in diesem Jahr an einer der Top-Ten-VWL-Fakultäten Europas und habe u.a. schon in mehreren DAX-Unternehmen und einem renommierten Wirtschaftsforschungsinstitut gearbeitet.

Ich weiß wovon ich rede.



tom.com


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