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Smiley Re: nun ja, es gibt 2 extreme Positionen in Sachen Urlaub ....
[quote] ... ich reise auf eigene Faust durchs Land, fahre in Thailand mit den Nacht-Überlandbussen. Obwohl statistisch gesehen das Unfallrisiko dort gross ist, weil Fahrer einpennen, denn es gibt dort keine maximal-Lenkzeiten wie bei uns. ...

Subjektiv betrachtet: Unfälle im Urlaub sind bei mir wesentlich seltener gewesen, als in deutschen Strassenverkehr auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit. [/quote]





Da hast du dir mit Thailand aber kein besonders gutes Beispiel ausgesucht. Hier knalltÂ’s nämlich laufend, und das meist auch ganz schön heftig. Vom Nachtbus aus sieht man da natürlich nicht viel von. Ist ja dunkel. Aber fahr mal tagsüber eine längere Strecke. Dann siehst du sie, die Wracks neben der Straße. Alles Unfälle aus den vorangegangenen Stunden. Nach der Unfallaufnahme werden die Schrottkisten nämlich stets ganz schnell wieder weg geschafft.



Unfälle sind hier auch oft besonders schwer. Wenn so ein Pickup mit 10 oder 15 Thais auf der Ladefläche mal ins Schleudern kommt (und das geht verflucht schnell bei den Dingern, wie ich vor ca. 2 Wochen am eigenen Leib erfahren musste), dann kann froh sein, wer das überlebt. Neben den Straßen gehtÂ’s nämlich fast immer ein Stückchen runter und Leitplanken gibtÂ’s fast nirgends. Gut für besonders schöne Purzelbäume!



Wenn besonders viel auf den Straßen los ist, gibt es auch immer wieder neue Rekordzahlen bezüglich der tödlichen Verkehrsunfälle. Besonders um das Songkhran Fest (April) und um Weihnachten/Neujahr herum sterben inzwischen regelmäßig über 600 Menschen auf den Straßen ... in einer einzigen Woche!





[quote] Ich hab mich in Thailand mit meinem Mopped auf die Fresse gelegt (nur Prellungen), weil ich dem Dorfköter auf der Dorfstrasse ausweichen wollte. (hat kein Einheimischer verstanden: wenn der Köter vor meinem Mopped über die Strasse läuft, hat er eben selbst schuld und wird plattgefahren) [/quote]





Fahr mal mit nem Moped nen Köter platt. Du wirst dich aber umsehen, wie toll dann auch du abhebst. Selbstverständlich bremst man auch in Thailand, wenn einem ein Hund über die Fahrbahn rennt ... auch mit dem Auto. Allerdings wird man ohne ABS auf sandiger Straße mit 120 keine Vollbremsung hinlegen. Würde man in Deutschland in einer vergleichbaren Situation (z.B. Schneematsch und kein ABS) sicher auch nicht machen. Da haut man dann doch lieber den Köter um, als sich und seine Mitreisenden wegen des Hundes in Lebensgefahr zu bringen.





Aber jetzt mal zum ursprünglichen Problem. Was haben wir da eigentlich? Einen Verkehrsunfall irgendwo in der Karibik mit nicht unerheblichem Personenschaden. Bedauerlich, klar, aber Verkehrsunfälle passieren überall und ständig. Verantwortlich soll der Hotelbetreiber (als Erfüllungsgehilfen des Reiseveranstalters) sein, weil dieser nicht für die erforderlichen Sicherheitseinrichtungen gesorgt habe. Genannt werden hier in erster Linie das Fehlen von Leitplanken an abschüssigen Straßenstellen und die Überschreitung der dort vorgeschriebenen (oder nur vom Hotelbetreiber empfohlenen?) Höchstgeschwindigkeit.



An sich klingt das auch erst einmal schlüssig, doch welche Standards müssen hier erfüllt werden? Natürlich die landesüblichen. Also müssen wir uns fragen, ob in dem betreffenden Land an ähnlichen Stellen üblicher Weise Leitplanken vorhanden sind, oder ob dies eher nicht der Fall ist. Stellt der Sicherheitsstandard der betreffenden Privatstraße ein erhöhtes Risiko gegenüber der sonst dort üblichen Standards dar, oder ist das da normal? Sind vergleichbare Hotelanlagen besser gesichert, oder sind da viele so? Erst wenn hier landesübliche Sicherheitsstandards deutlich verletzt werden, wird man den Reiseveranstalter für die Versäumnisse seines Erfüllungsgehilfen haftbar machen können.



Kommen wir zur Geschwindigkeitsüberschreitung. Diese ist natürlich in erster Linie dem Fahrer anzulasten. Da, wie hier beschrieben, diese Geschwindigkeitsbegrenzung regelmäßig deutlich übertreten wird, kommt vielleicht auch eine Haftung des Hotelbetreibers in Frage, weil dieser die Einhaltung seiner Anordnungen anscheinend nicht überwacht und nicht in geeigneter Weise für deren Einhaltung gesorgt haben mag. Der Reiseveranstalter wäre also erst einmal in der Haftung.



Aber auch hier stellt sich wieder die Frage nach dem landestypischen Umgang mit derartigen Bestimmungen (bzw. auf Privatgelände ausgesprochenen Anordnungen des Hausherrn). Wie ernst werden dort allgemein Geschwindigkeitsbegrenzungen genommen? Richtet man sich wirklich danach, oder versteht man diese eher als unverbindliche Empfehlungen. Mit welcher Geschwindigkeit wird dort normaler Weise an Stellen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von gerade mal 10 mph gefahren?



Auch hier wieder ein Beispiel aus meiner Wahlheimat Thailand. Hier wird ja überwiegend direkt an den großen Straßen gesiedelt. Vor vielen solcher Siedlungen wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit von sonst 100 oder 120 km/h auf 45 reduziert. Ist die Straße aber breit genug, dann geht da kein Mensch vom Gas. Die 45 gelten als Empfehlung, die wirklich niemand tatsächlich wahrnimmt. Geschwindigkeitskontrollen finden, wenn überhaupt, auch niemals innerhalb dieser Ortschaften statt, sondern immer außerhalb auf freier Strecke. Wenn sich ein Fahrer eines Hotelbusses entsprechend den örtlichen Gepflogenheiten verhält und wie alle anderen auch mit 100 da durch brettert, wird man dem Reiseveranstalter im Falle eines Unfalls kaum eine Obliegenheitsverletzung vorwerfen können.



Ich komme hier jedenfalls zu dem Schluss, dass man den Reiseveranstalter im vorliegenden Fall nur dann haftbar machen kann, wenn hier landesübliche Sicherheitsstandards erheblich verletzt wurden. Dann wird man dem Veranstalter durchaus vorwerfen können, er habe bei seinem Erfüllungsgehilfen nicht ausreichend für die Einhaltung dieser Standards gesorgt. Handelt es sich hingegen um landestypische Risiken, dann sehe ich keinen Ansatz für eine Haftung des Veranstalters.



Gruss

Wawa



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