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Smiley "..., sondern erlöse uns von der Liebe"
Hi,



ich weiß, der folgende Text wird Dir nicht helfen.



"Entgegen allen Erwartungen, die man in die Jugend setzt, bereitet sich die heutige Jugend auf ein noch schwereres Leben vor als ihre Eltern. Dies beweisen die Scheidungsstatistiken. Hauptgrund: 'Untreue', die eine größere Quelle der Angst geworden ist als jemals zuvor. Die absurde Situation, in der ein Mann mit dem Messer an der Kehle dazu gezwungen wird, zwischen 'dieser' und 'jener' zu wählen, gehört zum Alltag. 'Entweder sie oder ich', lautet die Parole, und wenn der Mann (ich spreche von dem 'Mann', weil Männer im Moment polygamer sind als Frauen polyandrisch) endlich dazu gezwungen worden ist, eine Wahl zu treffen, wird sie ihm als Zeichen der Reife angerechnet. Insbesondere natürlich, wenn er seine Frau wählt. Als ob man überhaupt zwischen Menschen wählen kann, die ja alle gleich gut sein können, jeder auf seine Weise. Zwischen Menschen zu wählen ist jedoch die schlimmste Wahl eines Menschen in seinem Leben, und wenn er einen Menschen gewählt hat, hat er meist alle anderen verraten. Dies nennt man Liebe.



Wenn aber alle Menschen gleich gut sind, soll es da gar keine Zweierbeziehungen mehr geben?



O doch - Ein guter Grund für die Paarbildung ist es zum Beispiel, daß sie bei weitem die beste Art und Weise ist, sich zu paaren. Aber deswegen das ganze Universum, den ganzen Planeten und das ganze Dasein nach dem Geschlechtsleben einzurichten, halte ich für übertrieben.



Wir sind bei der rätselhaften Entdeckung, daß zwei Personen manchmal zu einer Person werden, auf die Nase gefallen. Wir sind nie darüber hinweggekommen. Deswegen haben wir das kultiviert, was man Liebe nennt. Die Konsequenz: Die zwei Personen, die manchmal zu einer werden, werden auch sehr schnell zur Null, wenn sie die Liebe zum exklusiven Programm machen.



Wie viele verheiratete Menschen gibt es, die jeder für sich nach außen hin starke Gefühle hegen? In den meisten Zweierbeziehungen hat die Frau das Recht auf einen Freund - ihren Mann. Wenn einer der Partner bedeutungsvolle Beziehungen nach außen hat, wird es als illegal oder unnatürlich betrachtet, denn 'das sollte ja wohl nicht nötig sein.'

Bedeutungslose Beziehungen nach außen hin sind in Ordnung. Wenn aber die Beziehungen etwas bedeuten sollen, bedeutet das Krach. Je weniger andere Leute der Frau oder dem Mann etwas bedeuten, desto besser. Man hat es nicht gern, daß die Liebe von Außenstehenden gestört wird. Denn wenn dabei Liebe ins Spiel käme, wäre es aus mit der Liebe. Das Leben und die Liebe sind eine Bedrohung. Beides muß man meiden, und dazu ist der institutionilisierte Kannibalismus - die Monogamie - da.





Die Kultivierung der Liebe als Prinzip - 'Du sollst Deinen Nächsten lieben' (..., aber wehe, du kleiner Satan, wenn du es machst, dann bringe ich dich um') - huldigt dem Dualismus zwischen Körper und Seele, dem Gegensatz zwischen Agape und Eros. Ich möchte einmal wissen, wie man von klein an herausfindet, wieviel man lieben darf. Es scheint mir eine komplizierte Rechenaufgabe, die Liebe derart den Verhältnissen anzupassen. Wenn die Liebe so sein muß, kann sie mir gestohlen bleiben.



Ich habe keine Lust mehr, Philosophen zu lesen, die über die Liebe schreiben und mir gleichzeitig lieblos vorkommen. Marcuse wirkt unerotisch, weil er mechanistisch denkt. Ich mag überhaupt keine Autoren und Autorinnen lesen, wenn ich mich nicht in sie verlieben kann. Wie Elishama sagt: 'Entweder bin ich verliebt, oder ich langweile mich zu Tode.'



Erich Fromm wirkt nun sehr lieb, wenn er schreibt: 'Die Liebe ist nicht hauptsächlich ein Verhältnis zu einer bestimmten Person. Sie ist eine Haltung, eine Einstellung, die für das Verhältnis zum Dasein als solchem und nicht nur zu einem geliebten Gegenstand enscheident ist. Wenn ein Mensch nur einen anderen Menschen liebt, ist das keine Liebe, sondern symbiotische Verbundenheit oder erweiterter Egoismus. Und trotzdem glauben die meisten Menschen, daß die Liebe auf dem Gegenstand und und nicht auf der Fähigkeit zu lieben basiert. Sie sind sogar der Meinung, es sei ein Zeichen der Intensität ihrer Liebe, wenn sie keinen anderen lieben als die 'geliebte' Person."



Dieser Text wurde von einer Frau geschrieben, ich erinner mich nur undeutlich an ihren Namen, sie könnte Susan(n)e Brog(g)er heißen (und aus einem skandinav. Land kommen) ; ich weiß nicht mehr, wo ich diesen Text gefunden habe, weiß nur, daß er Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre Einzug in mein Lesebüchlein fand (ich schreibe manchmal Texte ab, die mich beschäftigen - leider habe ich damals noch nicht daran gedacht, Quelle, Datum und Autor mitzunotieren).



Gruß

Ruebe








 Wozu eigentlich eine Rentenreform? Wir haben doch eine Gesundheitsreform!



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