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Smiley Tierart zum Wochende: Das Kamel
Hallo Forum,



Mit dem Ende meines Studiums (einige haben es ja schon mitbekommen) will ich mal sozusagen eine alte Tradition wieder aufleben lassen.



Zunächst zum Hintergrund: Wie einige Leser des Archivs schon gemerkt haben und die alten Hasen hier sowieso schon wissen, bin ich vor einiger Zeit mal Autor einer Serie gewesen, in der Tierarten im Haustierforum vorgestellt wurden. Der erste Beitrag wurde damals November 2003 verfasst und dreht sich um Wildschweine, und war noch nicht als Serie, sondern als längerer Sachkommentar zu einem damals laufenden Flamewar gedacht. Die Idee fand schnell begeisterte Leser und wurde zu einer wöchentlich laufenden Folge ausgebaut. Irgendwann kam dann sogar die Möglichkeit auf, über das jeweils nächste Thema abzustimmen (nachdem ich es gewagt hatte, über "Lonesome George", die letzte Schildkröte ihrer Art zu schreiben und so auf vom Aussterben bedrohte Tiere hinzuweisen, dies aber Kritik wegen Offtopic-Thema hervorrief) und wurde zu einer forenübergreifend bekannten Angelegenheit. Soviel zu den Vorbemerkungen.



Das Trampeltier (Altweltkamel)



"Unter den kostbarsten Gaben, die Allah verschenkte, war das Kamel", heißt es im Jemen. [1]



Im folgenden geht es also um das Zweihöcker-Kamel, Camelus ferus bactrianus. ursprünglich wollte ich diesen Artikel schon einmal als Reaktion auf ein Posting von dipima (mit Kamelbildern) schreiben, jedoch reichte die Zeit dafür nicht. Nun ist es soweit. Dieser Artikel befasst sich speziell mit der Frage, welche Anpassungen Kamele besitzen, um in der Wüste zu überleben. Und ein paar Anekdoten sind natürlich auch drin. Ach ja: Das Kamel ist ein domestiziertes Haustier, dieser Beitrag also voll On-Topic im Forum :o).





Wie Kamele Wasser speichern



Kamele sind dafür bekannt, sehr schnell sehr viel Wasser aufnehmen zu können. Binnen zehn Minuten kann es 25% seines eigenen Körpergewichtes an Wasser trinken. Das ist nämlich die Menge, die es

Sobald ein Kamel (oder auch ein Mensch) Wasser aufnimmt, so gelangt dieses auch ins Blut und verdünnt dieses. Dabei tritt ein problem auf: Nicht nur die Blutgefäßen nehmen Wasser auf, sondern auch die roten Blutkörperchen (Erythrocyten) sind durch den Vorgang der Osmose davon betroffen. Die roten Blutkörperchen nehmen mit der Aufnahme von Wasser auch an Volumen zu, und damit besteht die Gefahr, dass sie platzen. Ein Zuviel an Wasser kann also lebensbedrohliche Folgen haben. Dieses Problem mussten die Kamele im Lauf ihrer Evolution lösen, um eine derartige Wasseraufnahme bewältigen zu können. Die Kamele lösten das Problem, indem ihre Erythrocyten anders geformt sind. Im Gegensatz zu den roten Blutkörperchen anderer Säugetiere sind ihre roten Blutkörperchen nicht wie eine flache, eingedellte Scheibe geformt [3], sondern eher wie ein Football. Diese Form ist stabiler, und ihre Erythrozyten können sich daher auf bis zu 240 % ihrer normalen Grösse erweiteren (andere Säugetiere: max. 150 %) [4]. Deshalb platzen die roten Blutkörperchen der Kamele auch nicht, und sie können somit Wasser in ihrem Blut speichern.

Außerdem wird Wasser im Magen gespeichert: Der Magen des Kamels ist kompliziert gebaut (Kamele sind Wiederkäuer, und deren Mägen sind immer mehrkammerig, da die Verdauung in mehreren Phasen geschieht) und enthält mehr als 800 Speicherzellen für Wasser. [5]



Die Höcker des Kamels - Wasserspeicher?



Bekanntermaßen besitzt das Altweltkamel (Trampeltier) zwei Höcker, das Dromedar nur einen. Aber welche Funktion haben sie? Zunächst einmal ist grundsätzlich zzu sagen, dass in ihnen kein Wasser, sondern Fett als "Brennstoff" gespeichert wird. Die Größe des Höckers spiegelt als die Energiereserven des Kameles wieder. Ein für Wüstentiere nicht unwesentlicher Aspekt des Fettes ist die Tatsache, dass bei der Fett"verbrennung" (Stichwort: Beta-Oxidation [6]) Wasser freigesetzt wird. Pro kg Fett entstehen so 1,1 kg Stoffwechselwasser [7]. Fett ist damit auch ein effektiver Wasserspeicher. Die Aussage, die Höcker dienten als Wasserspeicher, ist somit zumindest teilweise richtig. Die Fettspeicher des Kamels sind auf dem Rücken konzentriert, damit das Kamel überschüssige Körperwärme besser abgeben kann. Fett ist ein schlechter Wärmeleiter, und im trockenen und heißen Wüstenklima hätte das Kamel sonst große Probleme, sich ausreichend zu kühlen.



Klimaanlage serienmäßig inbegriffen - die Atmung der Kamele



Kamele in der Wüste haben ein Problem mit ihrer Atmung: Über die ausgeatmete Luft geht Feuchtigkeit, und damit Wasser, verloren. Um dem zu begegnen, haben Kamele eine Reihe von techniken zur Kontrolle der ausgeatmeten Luft entwicckelt. Das fängt damit an, dass die Nasenlöcher (Nüstern) verschließbar sind. Nützlich etwa bei Sandstürmen. In den Nüstern befindet sich ein Ventilsystem, das die eingeatmete Luft befeuchtet, ausgeatmeter Luft gleichzeitig aber Feuchtigkeit entzieht.

Auf diese Weise kann das Nasenventil etwa 2/3 des Wassers einsparen, das sonst verloren ginge. [8]



Temperaturregelung und Wasserverbrauch



(Aus der Wikipedia):

Die normale Körpertemperatur von Kamelen liegt bei 38°C.

Mangelt es dem Kamel dagegen an Wasser, so kann die Körpertemperatur zwischen 34 °C (nachts) und 41 °C (tags) schwanken, ohne dass das Tier dadurch Schaden nimmt. [9] Kamele schwitzen erst dann – und verlieren damit Wasser – wenn ihre Körpertemperatur über 41 °C steigt. Somit speichern sie die Wärme in ihrem Körper, solange dies möglich ist. Beim Schwitzen können Kamele einen hohen Wasserverlust ertragen - bis zu 25% ihres Körpergewichtes können sie ausschwitzen, ohne dass dies lebensbedrohlich wäre.



Warum sind die Beine der Kamele so lang?



Der Boden der Wüste und die Luft direkt darüber ist heiß, sehr heiß. Um den Körper höher über den Boden zu erheben und so vor der Hitze möglichst zu schützen, sind die Beine entsprechend lang konstruiert. Die Kamele haben übrigens breite flache Füsse mit zwei Zehen an jedem Fuss. Die Zehen sind durch Polster, die das Gewicht auf dem losen Undergrund verteilen, miteinander verbunden. So wird verhindert, dass das Kamel im wichen Sand einsinkt.



Die Haare des Kamels



Es mag zunächst komisch klingen, dass das "Wüstenschiff" so viele Haare hat. "Wird dem Tier denn nicht zu warm?" fragt man sich vielleicht. Doch die Natur ist clever: Die Haare des Kamels haben zwei Funktiuonen: Zum einen schützen sie das Kamel im Sandsturm, indem sie Sandkörner von Augen, Nasenlöchern und Ohren fernhalten. Und zum anderen sind die Haare des Kamels so gebaut, dass sie Licht möglichst gut reflektieren. Dadurch wird der Aufheizung des Kamelkörpers durch das Sonnenlicht entgegengewirkt. In der Nacht hat das Fell dann die Hauptfunktion, die Auskühlung des Körpers zu verhindern.



Der Stolz des Kamels - Das Kamel im Islam



Eben weil das Kamel Jahrhundertelang bis heute eine wichtige Funktion als Nutztier aufwies, ist es auch Teil arabischer und muslimischer Tradition und Geschichten geworden. Eine davon erzählt davon, wie Mohammed in einer Vision die 100 Namen Allahs empfing. 99 Namen [10] teilte er den Menschen mit, einen jedoch seinem Kamel. Und dieses bzw. seine Artgenossen hat den Menschen bis heute nicht den letzten Namen Gottes verraten. Deshalb trägt das Kamel seinen Kopf auch so stolz erhoben.



Die arabischen Beduinen bezeichnen den Bruder des Kamels, das Dromedar, als "Ata Allah" (Geschenk Gottes) [11].

Bis heute gelten Dromedare und Kamele auf der arabischen Halbinsel als Statussymbol der Beduinen, und die reichen Scheichs nehmen zum Teil aberwitzig wirkende Kosten auf sich, um ihre Tiere -speziell Rennkamele- so gut es geht zu halten.



"Scheich Mo besitzt rund 5 000 Rennkamele, von denen die teureren etwa fünf Millionen, die billigeren nur 100 000 Mark kosten. Spitzentiere fliegen im eigenen Jet zu Rennen in Bahrain, Qatar und Kuwait, wo sich die Siegesprämien bei großen Rennen auf fünf Millionen Mark belaufen. Bei kleineren gibt's Pajeros, Bargeld und als Trostpreise Ford-Pickups. Um die 70 Milionen Mark, heißt es, gebe der Scheich jedes Jahr für seiner Kamele aus." [12]



Sonstiges



Ansonsten bleibt mir zum Schluß noch, auf die Kamelopedia zu verweisen [13]



Viele Grüße

OHW



Quellen und Anmerkungen:



[1]: http://blogg.zeit.de/jemen/eintrag.php?id=9

[2]: http://de.wikipedia.org/wiki/Osmose

[3]: http://www.uni-bayreuth.de/departments/didaktikchemie/umat/elektronenmikroskop/em_erythrocyt.gif

[4]: http://www.beepworld.de/members35/wuestenschiff/kamele.htm

[5]: http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,DBCDFFBF22422378E0340003BA5E0905,,,,,,,,,,,,,,,.html

[6]: http://homepages.uni-tuebingen.de/student/michael.hulko/Biochemie/Fettsaureabbau/beta-Oxidation/beta-oxidation.html

[7]: http://print.veredlungsproduktion.de/pages/de/grundlagen/cpd/94.html

[8]: http://www.ga.og.bw.schule.de/hp/unterricht/projekte/wueste2001/kamel.htm

[9]: http://de.wikipedia.org/wiki/Kamel

[10]: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_99_Namen_Allahs

[11]: http://www.camellosafari.com/Kamele/Kamele_Characteristika/kamele_characteristika.html

[12]: http://yallacairo.com/dubcamel.htm

[13]: http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Kamel



Die Fähigkeit eines Tiers Schaden zu stiften, ist proportional zu seiner Intelligenz. Der Mensch hält auch hier die Spitze. [Konrad Lorenz]

In Gedenken an Desirée

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