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Smiley Ich denke, ich muss auch mal was dazu sagen...
>"Die Katze kann im übrigen mit den Augen nicht nur sehen, sondern auch hören und, einige Ärzte behaupten, auch riechen."



Interessant. Könntest Du das bitte erläutern? Wie z.B. wird Schall durch das Auge perzipiert? Wo sitzen die Sinneszellen, welche den mechanischen Reiz des Schalls aufnehmen? Wie, wo und in was werden die Luftdruckschwankungen, die den Schall ausmachen umgewandelt (beim Ohr ist es das Trommelfell und die Gehörknöchelchen, welche die Luftdruckschwankungen in Schwingungen einer Flüssigkeitssäule in der Gehörschnecke überssetzt).

Und welche wissenschaftliche Studien haben das ergeben? Das mit dem Auge auch Schall und Geruch wahrgenommen wird wäre eine Revolution der gesamten Sinnesphysiologie.

Nach allem, was mir bekannt ist (sprich nach den bisher akzeptierten anatomischen und physiologischen Befunden, über die die Wissenschaft verfügt, Siehe Standardliteratur) ist das Auge ausschließlich zur Aufnahme visueller Informationen konzipiert. Das Auge ist, betrachtet man es (und Du kannst gerne in den Spiegel sehen) in der Tat nur zur Aufnahme visueller Information und zur Umwandlung in Nervensignale geeignet. In der neuen Biuz (Biologie in unserer Zeit) gibt es übrigens einen Artikel zur Augenlinse, welcher (und nicht nur er) die traditionelle Sichtweise erhärtet. Er beschreibt detailliert den Aufbau der Linse und die extremen Spezialisierungen der Zellen, aus denen die Augenlinse besteht. Demnach sind die Zellen, aus denen die Augenlinse besteht, so optimiert worden, dass nichts anderes als Transparenz und gezielte, kontrollierte Lichtbrechung ermöglicht wird. Denn darauf wurde die Linse optimiert. Anderes beispiel: Die Netzhaut. Die Netzhaut besteht zwar aus verschiedenen Sinneszellen und Nervenzellen, doch bisher kennt man nur zwei Typen: Stäbchen und Zäpfchen, wobei Zäpfchen bestimmte Absorptionsmaxima besitzen (Zäpfchentyen: Blau, Grün, Rot) und Stäbchen als Schwachlichtrezeptoren dienen. Es ist nicht bekannt (bisher) dass es auch Sinneszellen für chemische Substanzen oder mechanische Schwingungen dort gäbe.



Nein, zur Orientierung kämen zwei Mechanismen in Frage, die hier glaub ich noch niemand erwähnt hat:



Neben den bekannten Sinnen (Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Schweresinn, Temperatursinn,

Tastsinn) gibt es im Tierreich noch zwei weitere Sinne:



1. Orientierung im Magnetfeld der Erde [1]:

Zur Erkennung des Erdmagnetfeldes gibt es prinzipiell zwei Mechanismen:

Der eine wird von nahezu allen im Meerwasser lebenden Tieren (Fische, Pinguine, Wale, Delphine ...) beschritten und funktioniert, weil Meerwasser elektrisch gut leitet. Zieht man nämlich einen elektrischen Leiter rasch durch ein Magnetfeld,

so werden in ihm elektrische Spannungen induziert. Daher sind Meeresströmungen einerseits und schnell schwimmende Tiere andererseits Quelle einer elektrischen Spannung, die im Messbereich biologischer Elektrosensoren (im Seitenlinienorgan der Fische oder in den Borstensensillen der Seehunde z.B.)

liegen. Theoretisch sind also *alle* Meerestiere grundsätzlich fähig, sich am Erdmagnetfeld zu orientieren. Aber hier geht es ja um Katzen, nicht um Meerestiere. Also müssen wir den zweiten Mechanismus betrachten: Per Kompass.

Den haben nämlich keineswegs wir Menschen entdeckt, sondern schon Millionen Jahre vor uns andere Landtiere. Zum Beispiel die Bienen, bei denen er am besten untersucht ist. Bienen können sich, das haben schon sehr früh die Verhaltensforscher entdeckt, auch dann orientieren, wenn der Himmel absolut bedeckt ist und wenn es Nacht ist. Also unabhängig von der Sonne. In ihren Abdominalsegmenten

(=Hinterleib) haben sie spezielle Zellen, sog. Trophocyten, die Magnetitkristalle enthalten. Magnetit ist ein Eisenoxid mit super-paramagnetischen Eigenschaften, d.h. diese Kristalle dehnen sich aus oder schrumpfen, je nachdem wie sie im Erdmagnetfeld orientiert sind. Die Trophocyten ihrerseits sind mit dendritischen Fasern sensorischer Neuronen umgeben, also von Mechanorezeptoren. Und just diese Kombination erlaubt es dem Nervensystem der Biene, die Lage relativ zu Nord-Süd festzustellen. Denn ändert sich die Lage, so ändert sich auch das Volumen der Magnetitkristalle, und genau das wird von den Mechanorezeptoren erfasst. Magnetit gibt es aber nicht nur bei Bienen: Sogar einige Bakterien enthalten Magnetit, wenn auch zu etwas anderem Zweck (Erleichterung des Schwimmens). Wahrscheinlich ist Magnetit universell verbreitet, und es stellt sich die Frage ob auch Katzen und vielleicht sogar wir(?) so etwas besitzen.



2. Erkennung des Sonnenstandes mit Hilfe von polarisiertem Licht [1]

Entdeckt wurde dieses Phänomen ebenfalls zuerst bei Insekten. Diese Tiere, die Komplexaugen anstelle von Linsenaugen besitzen, können daraus eine Art "Himmelskarte" ablesen, die den Sonnenstand verrät. (Es gibt in der menschlichen Sprache keinen korrekten Ausdruck dafür, weil wir in unserer Sinneswelt so etwas gar nicht kennen). Dieses funktioniert, weil das Sonnenlicht in der Atmosphäre an winzigen Teilchen reflektiert wird und dabei Licht einer bestimmten "Schwingungsrichtung" ausgelöscht wird (man kann sich Licht als ein Gemisch verschiedener Strahlen vorstellen, wobei jeder Strahl zu den anderen Strahlen um einen bestimmten Winkel um die gemeinsame Bewegungsrichtung "verdreht" ist. Trifft ein Lichtstrahl auf ein solches Teilchen in der Atmosphäre, so werden Strahlen einer bestimmten Schwingungsrichtung (mit spezifischem Drehwinkel) eliminiert.

Jedenfalls ist es so, dass feinste Teilchen in der Atmosphäre das Licht streuen (Tyndall-Effekt) und sich am Himmelszelt ein makroskopisches Muster einstellt (konzentrische Bögen, entlag derer dasselbe Polarisationsmuster herrscht), das abhängig vom Sonnenstand ist. Und das verrät den Sonnenstand, weshalb sich das Polarisationsmuster am Himmel als Sonnenkompass einsetzen lässt. Weil Insekten polarisiertes Licht wahrnehmen können (sog. POL-Region in den Komplexaugen, in deren Sehzellen die Sehpigmente (Rhodopsin) alle gleichartig ausgerichtet sind und somit wie eine Polarisationsfolie wirken), haben sie damit eine Orientierungsmöglichkeit die uns Menschen offenbar abgeht.



Wir wissen über die Verbreitung dieser beiden Sinnestypen nicht sehr viel. Aber es ist im Falle des Magnetsinnes sehr wahrscheinlich und im Falle des Sonnenkompasses gut möglich, das auch Katzen ihn besitzen.



Übrigens ist es auch von Hunden bekannt, dass sie, wenn sie weit von zu Hause ausgesetzt werden, wieder zurück finden. So kann ich mich an einen glaubwürdigen Bericht erinnern, nachdem ein Hund in Australien 1000 km (!) zurückgelegt hat, nachdem sein Herrchen ihn an einer Raststätte vergessen hatte. Der Hund lief dabei Zielstrebig nach Osten (wo sein Herrchen wohnte) und wählte dabei grösstenteils Wege, die sein Herrchen *nicht* mit ihm gefahren war. Dadurch entfällt eine Orientierung durch Landmarken. Der Bericht ist glaubwürdig, denn dutzende von Menschen (Raststätten/Motelbesitzer etc.) konnten sich an den Hund erinnern, der bei ihnen aufkreutze und um Wasser und Futter bat. Daher konnte auch der zurückgelegte Weg rekonstruiert werden.)



Quellen:

[1] Müller, Tier- und Humanphysiologie



Viele Grüße

OHW



Die Fähigkeit eines Tiers Schaden zu stiften, ist proportional zu seiner Intelligenz. Der Mensch hält auch hier die Spitze. [Konrad Lorenz]

In Gedenken an Desirée

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