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Smiley Re: Hund in der freien Natur


Hallo, das wird ja richtig eine erklärung des jagdrechts, ich hoffe ich bringe das verständlich rüber.



Christine,



egal ob deine rehe im wald leben würden (die nennt man logischerweise waldrehe, oder auf der flur, dann nennt man sie feldrehe, sie sind unter der obhut irgendeines jägers weil sie sich in seinem revier befinden.

Wild welches noch nicht tot ist, ist nach dem gesetz herrenlos - wenn es tot ist, ist es eigentum des jagdpächters. Wenn du totes wild mitnimmst machst du dich der wilderei schuldig.



Wenn du unbedingt etwas füttern willst, solltest du es so tun, dass der jagdpächter es nicht sieht, oder ihn eben informieren.



Was rehe so fressen, kannst du hier sehen,



http://www.lilli-rehkitz.wildtier.de





aber sei bitte vorsichtig mit dem füttern rehe sind sehr empfindlich und durch falsches winterfutter kann man mehr schaden als nutzen anrichten. Normalerweise verhungern wildtiere nicht im winter solange keine geschlossene schneedecke die auch noch verharscht ist ihre futterplätze bedeckt. Gerade der pansen vom reh schaltet auf winterbetrieb um und sie brauchen dann keine reichhaltige nahrung.



Du bringst da auch einiges durcheinander. Ein förster wie er gemeinhin von den laien genannt wird ist in der regel beim landes- oder bundesforst angestellt und muss nicht zwingend jagen. Der wald und das holz sind deren arbeitsplatz, dazu gehört auch die bewertung von wildschäden und die erstellung eines abschussplanes.



Ein jäger ist eine privatperson die den jagdschein gemacht hat und ein revier pachtet. Beide sind in ihrem revier gegenüber spaziergängern in gewisser weise weisungsbefugt. Ein förster hat sogar den status eines polizeibeamten.



Reviere in deutschland sind AB einer zusammenhängenden grösse von 75 ha jagdreviere.

JEDER fleck in deutschland gehört erstmal zu einem revier, allerdings ist es bei bebauten flächen so, dass dort die jagd generell ruht und dort nicht gejagt werden darf. Deswegen kann ein jäger z.b. mit dem gesetz in konflikt kommen, wenn er bei einem privatmann auf dessen dachboden z.b. einen marder jagen würde.



Also in deinem fall gehören die wiesen und waldstückchen wohl verschiedenen personen, aber all diese stückchen werden von der gemeinde als eine fläche zusammengenommen und von der jagdgenossenschaft als reviere verpachtet. KEIN landeigentümer kann sich dagegen aussprechen, dass auf seinem acker oder in seinem wald NICHT gejagt werden darf.



Wenn du allerdings 75 ha wald und feld zusammenhängend besitzt hast du automatisch ein eigenjagdrevier, das kannst du verpachten oder selbst nutzen.

Wenn du weniger hast, wird es eben einem anderen grund zugerechnet und dann verpachtet. Du bekommst dann anteilig einen teil der jagdpacht.



Bei diesem grund und boden macht es nichts aus ob das alles der gemeinde der einem bauern gehört. Alles land ausserhalb bebauter grenzen ist an irgendeinen jäger verpachtet.

Ausnahme - der bund und die länder, sie haben solche grossen land und feldeigentümer, dass sie die nicht unterverpachten sondern selbst durch die förster bewirtschaften lassen. Sie geben dann wieder an privatjäger bezahlte begehungsscheine aus.



Folglich befinden sich auch deine drei rehe auf einem gepachteten jagdrevier.



Ich hoffe ich habe es etwas verständlich ausgedrückt, Jagdrecht ist ziemlich kompliziert.





Thomas,



ich kenne das jagdrecht in schleswig holstein nicht. Fakt ist, dass das bundesjagdgesetz fordert, dass in notzeiten (also nicht kälte sondern hohe schneelagen oder hochwasser und andere naturkatastrophen) das wild gefüttert werden muss.



Das bundesjagdgesetz ist allerdings nur ein rahmengesetz und es kann sein, dass schleswig holstein generell ein füttern in notzeiten unter strafe stellt, ich kann es mir allerdings nicht vorstellen.



Sollte der jäger nur in einem normalen winter füttern, dann kann an der geschichte schon was dran sein. Es ist für den biorythmus von rehen z.b. nicht gut, dass sie im winter kraftfutter bekommen, das habe ich aber oben schon beschrieben.



Wildschweine dürfen glaube ich generell im ganzen bundesgebiet nicht gefüttert werden, sie haben sich mittlerweile durch mangelnde feinde und durch den enorm gestiegenen maisanbau in der landwirtschaft und witterungsbedingte gute erntejahre in der eichen und kastanienmast explosionsartig vermehrt. Sie fügen der landwirtschaft enorme schäden zu, für die jäger aufkommen muss. Sie sind überträger der schweinepest und trotzdem, dass letztes jahr ca. 450.000 wildschweine erlegt wurden wachsen leider die bestände weiter an.





Man darf als jäger jedoch wild ankirren, d.h. man kann geringe mengen mais ausbringen an bestimmten plätzen um so die wildschweine besser bejagen zu können.



Um sie besser "abknallen" zu können wie es oft spöttisch heisst sind diese kirrungen nicht gedacht.

Schwarzwild ist wie alle Schweine sehr schlau und schnell.



Jäger sind jedoch vom gesetz her verpflichtet wild nicht wahllos abzuschiessen sondern sie müssen z.b. muttertiere schonen.

Ausserdem kann er bei gutem licht einen besseren schuss antragen und schiesst somit weniger tiere krank als wenn sie dauernd in bewegung sind.



Um diese aber erkennen zu können, müssen die tiere einfach mal still stehenbleiben und eben irgendwas fressen, damit man nicht das verkehrte schiesst und 15 frischlinge ohne mutter sind und elend verhungern.



Deswegen kirrt man an bestimmten stellen wo das licht gut ist und wo man diese unterschiede eben genau sehen kann.



Rehe darf man bei uns im süden z.b. nicht ankirren, aber sie kommen auch von alleine an bestimmte stellen und bewegen sich nicht so hektisch, da kann man besser männlich und weiblich unterscheiden.



Wenn ein jäger sich weigert den abschussplan zu erfüllen - dieser wird in zusammenarbeit mit der unteren jagdbehörde für das jeweilige revier aufgestellt und heisst, dass anhand der wildschäden die an bäumen vorhanden sind, der wildbestand ermittelt werden kann, dann kann in der tat die untere jagdbehörde andere jäger beauftragen den abschussplan zu erfüllen. (Den wildbestand in einem revier kann man mit verschiedenen methoden ermitteln.)

Man weiss wievel reh- und rotwild ein wald vertragen kann, damit das holz noch vermarktbar ist -was zuviel ist an wild muss erlegt werden.





Weil zuviele tiere sich den lebensraum streitig machen würden und gesundheitlich kümmern und somit anfälliger sind für krankheiten sind. Ebenso würden sich z.b. zuviele böcke in einem revier bis aufs blut bekriegen und durch stress kommt es wieder zu verbiss an bäumen, bzw. die unfälle auf den strassen nehmen zu, weil die tiere versuchen auszuweichen.



Wenn jetzt kritische stimmen kommen, dass man die tiere einfach sich selbst überlassen sollte und die jagd generell verbieten soll weil es sich alles von selbst regulieren wird, dann werde ich nicht darauf eingehen, es gibt viele untersuchungen die das für und wider von bejagung abwägen. Es ist ein zu komplexes thema. Ich bin davon überzeugt dass in unserer kulturlandschaft eine bejagung sinnvoll und nötig ist. Krankheiten wie tollwut und schweinepest können nicht nur der volkswirtschaft schaden zufügen, sondern eben auch menschenleben fordern.

Viele die gegen die jagd sind plappern ohne nachzudenken schlagworte nach die ihnen von jagdgegnern in den mund gelegt wurden.



Ich finde nach wie vor ein sterben im schlachthaus von sogenannten nutztieren grausamer als einen sauberen kugelschuss.

Das wild hat bis zuletzt artgerecht leben können und ahnt von seinem tod nicht im geringsten etwas.



Schalenwildarten sind alle wiederkäuer, d.h. mit zunehmendem lebensalter nutzen sich die zähne ab und ab dem 12 lebensjahr kann wild deswegen keine nahrung mehr aufnehmen und würde kläglich vor gedecktem tisch verhungern.



Ich lehne viele dinge in der jagd ab, dazu gehört u.a. auch die fallenjagd. Ich kenne auch viele jäger die eigentlich keine sind, sondern nur einen jagdschein besitzen und über dieses dokument meinen sie könnten ihr schwaches ego polieren.

Aber ich kenne auch viele engagierte jäger die sich um das ihnen anvertraute wild sorgen und denen keine arbeit zuviel ist. Ich habe unter den jägern viele feine menschen und kameraden kennengelernt. Gemeinsam erlebte jagden, anstrengung bis zur körperlichen erschöpfung - das alles schweisst zusammen.





Ich gebe zu - ich jage gerne - ich will beute machen. Ich will fleisch auf dem teller. Ich will ein warmes fell auf er couch liegen haben. Ich geniesse es täglich im revier zu sein und die veränderungen zu sehen die über nacht passiert sind. Ich geniesse es stundenlang auf dem hochsitz still sitzen zu "müssen" und einfach nur gottes natur geniessen zu können. Keiner stört, kein lautes wort, die mischwälder verfärben sich im moment zu einem gigantischen farbspiel. Ich steige morgens aus dem auto aus und laufe durch den dicken nebel vom weg weg und bin nach wenigen metern "geschluckt" und ein kleiner teil der natur.

Mein kleiner hund hüpft fröhlich neben mir her und zeigt mir dinge die ich nicht sehen würde - das sind dinge die ich still lächelnd geniesse und aus denen ich kraft für den tag ziehe. Das töten ist nur ein ganz kleiner teil der jagd.



Einen schönen tag wünsche ich euch.



Ute













@Hyla, ein weibliches schmaltier wird in der jägersprache immer schmaltier heissen und nicht weiblicher hirsch. Lediglich auf der speisekarte in restaurants wird "hirsch" serviert, das kann weiblich und männlich sein.


























Der Mensch besteht zu 80% aus Wasser und zu 20% aus Hormonen - der Rest ist Verstand!

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