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Smiley Von Schnecken und Menschen und zwischenmenschlichen Ansichten
Hallo Berny,



>Jedoch, entschuldige bitte, ich möchte ganz einfach nur wissen, ob es Quälerei ist



Folgende Beobachtungen zur Reizbarkeit von Schnecken kannst Du selbst durchführen, ohne die Schnecke zu verletzen: Such Dir z.B. mal eine Gehäuseschnecke (Schnirkelschnecke z.B.) und heb sie hoch. Sie wird sich schnell in ihr Haus zurückziehen. Beobachte sie ruhig. Bei Tieren mit dünnem Haus (z.B. Jungtieren) kann man das Herz durch die Schale hindurch schlagen sehen, ein Ergebnis des autonomen Nervensystems, nicht unähnlich wie es auch bei uns die Pumpe am laufen hält. Nach einiger Zeit wird sie sich wieder "hervortrauen" und ihren Fuß herausstrecken. Stößt man jetzt z.B. mit dem Finger wieder gegen den Fuß, so zieht sie sich schnell wieder zurück.



Offenbar können wir also zwei Beobachtungen festhalten: Erstens, Schnecken registrieren Reize und reagieren darauf, und zweitens, wichtige Merkmale des Nervensystems funktionieren offenbar recht ähnlich wie es bei uns der Fall ist, und zwar auf ähnlicher Komplexitätsstufe. Unser Herz ist größer, und in Kammern unterteilt, aber die "Logik" dahinter offenbar dieselbe. Und auch auf plötzliche Reize reagieren wir menschen ja ebenfalls plötzlich und instinktiv, z.B. wenn man von hinten auf die Schulter getippt wird.



Nun ist Schmerzempfinden, wie wir es wahrnehmen, auch keine wirklich komplizierte Sache: Dafür benötigt werden zunächst Rezeptoren (Wärmerezeptoren, mechanische Rezeptoren, chemische Rezeptoren, freie Nervenenden).



Was die Rezeptoren anbelangt, so besteht kein Zweifel dass Schnecken diese besitzen.

Deren Existenz lässt sich schon durch den oben aufgezeigten einfachen Versuch nachweisen.



Damit aus Schmerz Schmerz wird, müssen die von den Rezeptoren stammenden Informationen aber auch verarbeitet werden. Bei uns Wirbeltieren erledigt diese Arbeit das limbische System für die emotionale Komponente sowie -für die bewusste Wahrnehmung- die Grohirnrinde. Alle Tiere, die diesen beiden Hirnareale besitzen, können mit allergrößter Wahrscheilichkeit Schmerz exakt so wahrnehmen wie wir es tun.

Fischen und Amphibien fehlt die Großhirnrinde, Schmerz so wie wir fühlen können diese ihn aber sehr wahrscheinlich ebenfalls, da sie das limbische System besitzen.



Nun haben Schnecken aber kein limbisches System und keine Großhirnrinde.



Können sie deshalb keinen Schmerz empfinden? Vielleicht nicht in derselben Art wie wir. Keiner von uns ist eine Schnecke (und wenn doch, dann sollte er sich dringend melden, am besten mit Passfoto ;), daher wissen wir nicht was eine Schnecke *fühlt*.



Dasselbe Problem besteht übrigens schon *zwischen Menschen*, denn niemand weiss was der andere Mench wirklich denkt und fühlt. Als Individuuen sind wir gefangen in unseren Körpern und nehmen *alle* anderen Lebewesen nur über ihr Verhalten wahr, und schließen darauf sekundär auf ihr inneres. Jede Aussage darüber, ob Schmerzempfinden vorliegt, findet also immer über das Verhalten statt, solange man nicht selber betroffen ist.



Nun, und verhalten tut sie sich doch so, als würde sie empfinden, oder? Also ist es zunächst einmal sehr wahrscheinlich, dass sie es kann, bis zum Gegenbeweis.



Und nachdem als Quälerei das unnötige Zufügen von Schmerzen gilt, kann man nicht umhin das als Quälerei zu bezeichnen.





Viele Grüße

OHW



Die Fähigkeit eines Tiers Schaden zu stiften, ist proportional zu seiner Intelligenz. Der Mensch hält auch hier die Spitze. [Konrad Lorenz]

In Gedenken an Desirée

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