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Smiley Essen in Thailand
Nein, das ist kein Scherz!



Ich habe den Eindruck, daß ich Dich mit den Speisen ‚BlutsuppeÂ’ oder ‚gebratene KäferÂ’ ein wenig aus der Fassung gebracht habe. Das tut mir leid, das wollte ich nicht. Aber.... es ist wahr!

Da mich Deine Anfrage mitten in der Nacht erreicht, habe ich viel Zeit und kann ausführlich darauf antworten:



Es ist schon lange her, damals war ich noch typischer Tourist, lernte ich auf Phuket eine hübsche, junge Thailänderin kennen. Großzügig führte ich sie zum Essen aus, aber sie aß nur wenig. Auf unserem Heimweg zum Hotel bat sie mich dann, an einem Stand an der Straße eine Tüte gebratener Heuschrecken kaufen zu dürfen. Die schmeckten ihr besser, als die vorher von mir georderten Langusten.

Ich war damals geradezu entsetzt, wie konnte man nur so etwas essen!

Das Mädchen kam aus dem Issaan, dem Nord-/Osten Thailands. Heute lebe auch ich dort.

Ja, bei uns ißt man so etwas. Ich esse es jetzt auch.



Ich erinnere mich noch: Ich war das erste Mal im Issaan, da kamen in der Nacht Unmengen fliegender Insekten, ähnlich wie geflügelte Ameisen. Maeng-Mau heißen sie. Etliche Zentimeter hoch lagen diese Tiere an manchen Stellen auf dem Boden, Milliarden!

Meine damalige Begleiterin schaufelte die Tiere mit beiden Händen in Eimer, das Hotelpersonal des Hotels, in dem wir wohnten, tat das Gleiche. Noch in der Nacht wurden die Tiere gewaschen und anschließend in heißem Fett fritiert. Es war geradezu ein Festessen, für mich damals jedoch noch gewöhnungsbedürftig.

Viele derartiger Speisen habe ich bis Heute im Issaan kennengelernt: Maeng-Mau (ich habe sie eben beschrieben), Maeng-Kinun - etwa bohnengroße Käfer – sie werden ebenfalls fritieret, Ratten (sie sind wirklich sehr lecker), Kobra (ebenfalls sehr lecker) und natürlich Blutsuppe (geronnenes Schweineblut).

Zur Ratte muß ich hier jedoch noch etwas ergänzen: Die Ratten, die bei uns im Issaan gegessen werden, haben nicht viel gemeinsam mit den ‚KanalrattenÂ’ in Europa. In Europa verstehen wir unter einer Ratte ein Tier, welches in unseren Abfällen lebt und Krankheiten überträgt.

Bei uns im Issaan, leben die Ratten (sie heißen ‚Nuu jaiÂ’), auf den Reisfeldern. Sie ernähren sich von Reis und anderen Dingen, die man auf diesen Feldern so findet. Sie sind nicht so eklig, wie unsere Ratten (albern, nicht?). Solch eine Ratte kann groß und fett werden, es ist dann richtig Fleisch an ihr. Sie ist oft richtig pummelig und hat ein glänzendes, weiches Fell.



Eigentlich wird bei uns alles gegessen, was nicht schnell genug flüchten kann. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich daran.

Heute esse ich übrigens gern fritierte Heuschrecken; fast wie Kartoffelchips in Deutschland, abends zum Fernsehen.

Was die von mir angesprochene Blutsuppe anbelangt, so ist diese allerdings auch nicht unbedingt mein Fall. Auf der Seite ‚www.Mang-gon.de’ findest Du eine Geschichte (‚Der Thakarp’). Ich zitiere hieraus:



„Was ist das, was Du ißt?“, fragte er die junge Frau. Er deutete auf die schwarzen Klumpen.

„Blut“, sagte sie, „geronnenes Schweineblut. Sehr lecker. Möchtest Du probieren?“ Sie hielt ihm den Löffel mit einem großen Stück Schweineblut hin.

„Nein, danke!“

„Schmeckt gut!“, bekräftigte sie erneut. Heinz schüttelte den Kopf.



Übrigens: Thakarp, also giftige Riesentausendfüßler, wie in dieser Geschichte beschrieben, essen wir auch, allerdings sehr selten.



Vielleicht fragst Du Dich jetzt, warum die Leute hier im Issaan so etwas essen.

Natürlich essen auch die Bewohner des Issaan lieber Filetspitzen von Rinder- oder Schweinefilets. Schnecken und Käfer sind aber preisgünstiger, sie sind kostenlos!!!



Wenn Du einmal in den Issaan kommst, was ich Dir sehr empfehlen kann, mußt Du natürlich so etwas nicht essen. Wir haben alles andere auch. Du wirst es bezahlen können, meine Nachbarn jedoch nicht. Eine Tom-kha-gai (Hühnersuppe in Kokosmilch gekocht) kostet im Straßenrestaurant, schräg gegenüber, 10 Baht (etwa 0,25 Euro).



Ich hoffe, ich habe mit diesen langen Ausführungen Deine Fragen beantworten können.



Mein Posting über Blutsuppe und gebratene Käfer waren wirklich kein Scherz.





Probier doch einmal unser Essen im Issaan. Ich bin sicher, es wird Dir schmecken. In Verbindung mit einer kühlen Flasche ‚Chang-BierÂ’ ist es ein Genuß.

‚Aroi maak’, sagen die Thai. Wir im Issaan (wir sprechen, obwohl in Thailand gelegen, laotisch) sagen jedoch ‚seap lai lai ilii’.







Gruß



Mang-gon-Jai













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