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Smiley Wissenschaftliche Betrachtung...
Hallo Leute,



aus rein physikalischer Sicht kann man die Diskussion vielleicht auf einen Nenner bringen - ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren:



Je größer die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur ist, desto größer ist der Wärmestrom nach draußen. Man kann das auch mit einem gedrosselten Wasserstrom vergleichen, der umso größer ist, je größer die Höhendifferenz zwischen den beiden Wasserbehältern ist. Will heißen: Je geringer die Innentemperatur im Verlauf der Nacht wird, desto geringer ist der Wärmestrom (beim Wasserexperiment ebbt der Strom langsam ab und wird zu einem Rinnsal).



Die verlorene Wärme muss nach der Nachtabsenkung wieder "aufgefüllt" werden. Diese ist umso größer, je stärker der Wärmestrom war (man kann das Integral über diesen zeitlich veränderlichen Wärmestrom bilden).



Folgerung: Geringere Innentemperatur => geringerer "Wärmedruck" nach außen => geringerer Wärmestrom => geringerer Gesamt-Wärmeverlust => geringerer Wiederaufheizungsbedarf => weniger Energieverbrauch



Meine Folgerung: Nachtabsenkung bringt generell etwas, nur ist die Ersparnis natürlich umso geringer, je besser das Haus gedämmt ist.



An der Weisheit, dass 1 Grad weniger Innentemperatur 7 Prozent weniger Energie benötigt, kann durchaus etwas dran sein. Denn wie oben erläutert hängt der Energiebedarf am Wärmestrom zwischen innen und außen. Dieser findet selbst bei gut gedämmten Häusern statt, und das Temperaturgefälle ist immer dasselbe - egal ob gut oder schlecht gedämmt. Die absolute Energieeinsparung bei gut gedämmten Häusern ist natürlich viel geringer, denn 7 % von 10 kJ sind halt einfach weniger als 7 % von 100 kJ. Allerdings stimmt diese Rechnung nur für eine ganz bestimmte Außentemperatur, nämlich etwa 5°C (siehe unten).



Entsprechend ist die Nachtabsenkung bei gut gedämmten Häusern weniger rentabel als bei schlecht gedämmten.



Für die Experten unter Euch: Die Wärmeleitung ist wie folgt definiert:



Wärmemenge = Wärmeleitfähigkeit der Mauer * Mauerfläche * Zeit der Wärmeleitung * Temperaturdifferenz zwischen außen und innen / Mauerdicke



Wie Ihr seht, geht die Temperaturdifferenz linear ein. Noch ein Rechenbeispiel zum Thema Prozentrechnung:



Fall 1 (ohne Nachtabsenkung):

Temperatur innen = 22 °C

Temperatur außen = 5 °C



Fall 2 (mit Nachtabsenkung):

Temperatur innen = 19 °C

Temperatur außen = 5 °C



Der Wärmeverlust pro Zeiteinheit in Fall 1 ist gegenüber Fall 2 um (22-5)/(19-5) = 21 % höher. Das entspricht dem zusätzlichen Heizbedarf für eine Außentemperatur von 5°C. Hier hauen die 7 % pro °C übrigens exakt hin!!



Für eine Außentemperatur von 10°C beträgt der zusätzliche Energiebedarf ohne Nachtabsenkung sogar schon 33 % mehr, allerdings - WICHTIG - auf viel geringerem Absolutniveau (es muss insgesamt weniger geheizt werden).



Wenn man das weitertreibt: Bei 18° C Außentemperatur muss mit Nachtabsenkung fast gar nicht mehr geheizt werden, ohne Nachtabsenkung ist der Energiebedarf um 300 % höher. Allerdings wäre dieser auf der Heizölrechnung kaum noch spürbar.



Umgekehrt: Bei -20 °C ergibt sich nur noch ein Unterschied von 8 % zwischen mit/ohne Nachtabsenkung. Trotz des vergleichsweise geringen Unterschiedes wird sich hier der Unterschied im Geldbeutel am meisten bemerkbar machen, weil die Heizleistung sehr viel höher ist und hierbei 8 % schon gewaltig was ausmachen.



Folgerung 1: 7 % pro Grad Absenkung hauen bei einer durchschnittlichen Außentemperatur von etwa 5°C hin - und zwar unabhängig vom gut oder schlecht gedämmten Haus.



Folgerung 2: Nachtabsenkung bringt immer etwas. Allerdings macht sich diese bei gut gedämmten Häusern im Geldbeutel weniger bemerkbar.



Habe ich nun zur allgemeinen Verwirrung beigetragen?



Tömmel
Wo eine Katze wartet, dort ist man zu Hause (Nina Sandmann)

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